Wie schon letztes Jahr um die Zeit hat es mich wieder ins Josefsthal verschlagen. Dem Wetter nach zu urteilen blicke ich diesmal auf ein freundlicheres Börsenjahr als zuletzt. Aber der Reihe nach. Eigentlich hat sich mein Depot 2022 ganz ordentlich geschlagen, zumindest in Anbetracht der weltpolitischen Lage und auch der Performance meiner Referenz-Werte.
Um die Performance meines Depots einzuschätzen, lasse ich mir von Portfolio Performance (siehe Tools und Quellen) den DAX, den Vanguard S&P 500 ETF und den Ishares MSCI World ETF als Benchmark anzeigen. Gebühren sind einberechnet, Steuern nicht. Und siehe da: 2022 hat sich mein Depot erstmals merklich an die Spitze gesetzt, was die Performance seit Beginn betrifft.

Für mich ist die jüngste Entwicklung einerseits ein kleiner Erfolg, andererseits aber auch eine Warnung, die Diversifizierung nicht zu vernachlässigen. Dass ich dauerhaft besser abschneiden kann als der breite Aktienmarkt, ist ja durchaus fraglich. Außerdem sind die Gründe für den Erfolg schnell erklärt:
Ich habe eine hohe Gewichtung an Aktien im Energiebereich. Da diese Aktien gegen den allgemeinen Trend stark gestiegen sind, hat sich die Übergewichtung dieses Jahr erheblich verschärft. Aktuell machen Energie-Aktien rund ein Viertel meines gesamten Depot-Werts aus:

Dabei hat das rauhe Börsenjahr 2022 bei mir noch einiges mehr durcheinandergewirbelt: War Anfang des Jahres noch Microsoft meine größte Position, so ist es mittlerweile der Windkraft-Projektierer PNE – ausgerechnet das Unternehmen mit der kleinsten Marktkapitalisierung. Auch die recht konservativen Investments in (typischerweise) deutsche Unternehmen haben sich nach vorne geschoben, während die Technologie-Aktien teils deutlich abgestürzt sind.
Die aktuelle Vermögensverteilung spiegelt also neben den Käufen auch die hohen Energiepreise (gut für Energie-Unternehmen) und die gestiegenen Zinsen (schlecht für die Kurse von Wachstumsunternehmen, aber gut für Versicherer) wider:

Handlungsbedarf im Sinne eines aktiven Rebalancings sehe ich allerdings nicht. Denn:
Im Energiebereich fühle ich mich als Investor durchaus wohl. Ich verfolge den Sektor seit vielen Jahren interessiert mit und traue mir hier auch mehr Expertise zu als in anderen Bereichen. Ich habe ein hohes Grundvertrauen in den Markt und in die einzelnen Unternehmen. Die Aktien stufe ich (mit Ausnahe von Solaredge) auch nicht als Wagnis-Positionen ein, weswegen ich Gewinnmitnahmen weitgehend ausschließen möchte.
Tatsächlich denke ich sogar schon wieder über Zukäufe nach. Insbesondere die spanische Iberdrola könnte als Versorger noch eine Ergänzung, vielleicht auch ein Ersatz für die (sehr hoch bewertete) Nextera Energy werden, allein schon wegen der besseren regionalen Diversifizierung.
Abgesehen davon ist mein Depot gerade erst ein paar Jahre alt. Ich glaube, es reicht vollkommen aus, bei der Wahl meiner nächsten Aktien wieder stärker in derzeit vernachlässigte Bereiche zu investieren.
Das erwarte ich 2023
Ich wäre ja geneigt, eine kleine Wette auf eine kurze Deflation einzugehen, die wir Ende 2023 oder Anfang 2024 erleben könnten. Schließlich sind wir gerade alle am Sparen. Viele Staaten haben ihre Gelder für Kunjunkturprogramme und Soforthilfen verschossen und müssen höhere Zinskosten einplanen. Der Immobiliensektor steckt zunehmend in der Krise und selbst profitable Technologie-Konzerne bauen Personal ab. Die privaten Haushalte müssen größere Abstriche bei ihren realen Einkommen hinnehmen und dürften Ersparnisse aus der Pandemie-Zeit allmählich aufgebraucht haben. Außerdem dürfte es noch etwas dauern, bis die Zinserhöhungen der Notenbanken vollständig auf die Realwirtschaft durchschlagen.
Kurz gesagt möchte ich das genaue Gegenteil von dem vorhersagen, was ich für 2022 angenommen hatte. Allerdings bin ich weder der Richtige für derartige Prognosen, noch glaube ich, dass all das langfristig einen großen Unterschied machen wird. Für mein Depot suche ich Aktien, die ich in 30 Jahren noch besitzen möchte und die ich auch danach (hoffentlich) nicht verkaufen muss.
2023 werde ich voraussichtlich einige Aktien nachkaufen, die an Gewichtung verloren haben. Das dürfte besonders den Technologie-Bereich betreffen (nicht zuletzt Alphabet und Microsoft). Dazu möchte ich etwas mehr Geld in die bislang vernachlässigten Bereiche (wie Gesundheit oder Verbrauchsgüter) investieren.

