Hallo Welt, im neuen Jahr habe ich mir vorgenommen, wieder mehr über mein Depot und meine Gedanken zu Unternehmen zu berichten. Was mir bei Aus- und Rückblicken zunehmend auffällt, ist, dass ich mich oft weit von dem entfernt sehe, was mir im vergangenen Jahr noch der Lauf der Dinge zu sein schien. Die Zukunft wirkt immer schwerer zu erahnen. Natürlich war die Zukunft noch nie zu erahnen. Aber der Abstand zwischen den Prognosen und den Ergebnissen scheint größer zu werden. Ich will es trotzdem versuchen. Nun aber erstmal: Die Vergangenheit.

Rückblick

Was ist mir in der Vergangenheit wichtig? Die getroffenen Entscheidungen. Die lassen sich teils mit Zahlen beschreiben. Zum Beispiel als Käufe und Verkäufe, nach Volumen gewichtet. Übrigens bin ich an dieser Stelle oft selbst ein bisschen überrascht, dieses Jahr besonders:

Die wichtigsten Käufe

1. Taiyo Nippon Sanso

Ich kann nicht sagen, warum ich für diese Aktie 2023 mehr Geld als für alle anderen gezahlt habe, ich weiß nur noch, warum ich sie gekauft habe. Kurz formuliert gefällt mir das Industriegasgeschäft sehr gut (stetige Cashflows, tiefe Burggräben, vielseitige Wachstumstreiber, perspektivisch auch Wasserstoff). Aber ich habe es seit etlichen Jahren nicht geschafft, bei Linde einzusteigen. Schließlich wäre Linde eigentlich die naheliegendste Option. Das hat vor allem mit der Bewertung zu tun, hie und da hatte ich auch noch weitere Bedenken. Zum Beispiel hielt ich die Nachhaltigkeitsziele von Linde für einen schlechten Witz. Nippon Sanso ist deutlich günstiger (was natürlich eine ganze Reihe möglicher und nachvollziehbarer Gründe hat). Auch gefällt mir das Unternehmen in Hinblick auf die Ausschüttungsquote besser. Bei Nippon Sanso bleibt nach Dividenden und Aktienrückkäufen mehr Geld im Unternehmen. Ich deute das gerne so, dass das Management mehr gute Anlagemöglichkeiten im Unternehmen sieht.

2. UnitedHealth

Schon wieder ein bisschen überraschend. Grund ist hier mitunter wie auch bei Nippon Sanso, dass es zwei Orders waren. Die Aktie hat sich dieses Jahr länger seitwärts bewegt, da habe ich noch einmal günstiger nachgekauft. Bei Versicherern bevorzuge ich generell die großen. Bei denen lässt das Wachstum oft zu wünschen übrig. UnitedHealth wächst aber seit Jahrzehnten sehr konstant. Sowohl beim Umsatz als auch bei Gewinn und Cashflow teils deutlich zweistellig.

3. Microsoft

Das war aus heutiger Sicht ein ziemlicher Glücksgriff. Der komplette Kauf wurde nämlich schon am 4. Januar ausgeführt. OpenAI schien damals bereits Bedeutendes gelungen zu sein und die Aktie war aus 2022 noch angeschlagen. Der Zeitpunkt schien also günstig. Außerdem wollte ich Microsoft (mal wieder) in Richtung meiner größten Position entwickeln. Gelungen ist das am Ende aber nur durch die Kursentwicklung:

Während Microsoft von rund 220 auf 340 Euro explodiert ist, ging es bei PNE (die bis dahin größte Position) von fast 22 auf 13 Euro in die andere Richtung. Am Anfang stand dort eine gescheiterte Übernahme, bei der auch ich wahrscheinlich meine Gewinne realisiert hätte. Immerhin stand eine Verzehnfachung meines Einstiegskurses im Raum. Auch wenn es damit nicht geklappt hat, war die Sache am Ende zumindest recht unterhaltsam. Das Gute daran ist, dass ich nun auch die Fortsetzung als Investor miterlebe.

Verkäufe

Block

Von der Positionsgröße her ist es kaum noch eine Erwähnung wert. Aber sonst hat sich hier auch nichts getan. Bei Block wollte ich nicht gegen Hindenburg Research wetten. Block war eine Wagnis-Position. Bei dieser Art Investments sollte die Beteiligung auch Spaß machen. Das war hier nicht mehr der Fall.

So lief das Depot

Kurz gesagt: Es lief komplett anders als im letzten Jahr. Während das Depot 2022 besser abgeschnitten hat als die Vergleichswerte, hat es 2023 wieder an Vorsprung verloren. Dafür stand 2022 unter dem Strich ein Minus von 6,5 Prozent, 2023 ein Plus von 14,0 Prozent.

Ähnliches gilt für die Einzelwerte. Die Verlierer von 2022 waren fast durch die Bank Gewinner 2023 und umgekeht. Damit hat sich auch bei der Gewichtung der Einzelwerte einiges geändert. Unter anderem hat Microsoft PNE wieder als größte Position abgelöst (was natürlich auch mit dem Nachkauf zusammenhängt). So sah das Depot Ende 2022 aus:

Und das war das Depot Ende 2023:

Hätte man die Kursverläufe von Microsoft und PNE schon letztes Jahr gekannt, man hätte einiges über 2023 erraten können. Microsoft war über seine Beteiligung an OpenAI für eines der häufigsten Gesprächsthemen des Jahres verantwortlich. PNE war 2023 Teil einer Branche, deren Geschäftszahlen mäßig bis stark enttäuschten, deren Kurse implodiert sind, deren Bedeutung aber explodiert.

Die Veränderung des weltweiten Solar-Zubaus gegenüber dem Vorjahr ist mein persönliches Highlight des Jahres aus der Welt der Zahlen:

+58 % in 2023 (+42 % in 2022)

BloobergNEF

Beste Gleichung des Jahres: Auf zwei Jahre ergibt sich nicht etwa ein Wachstum von 100 Prozent, sondern von rund 125 Prozent. So funktioniert Zinseszins mit hohen Zahlen.

Dabei liest man dieser Tage von riesigen Mengen an Modulen, die irgendwo auf Lager liegen und an Wert verlieren. Die Produktionskapazität wird nicht ausgeschöpft. Am Angebot mangelt es also noch lange nicht.

Womöglich wird – man darf ja jede mögliche Zukunft mal in Betracht ziehen – mit Energie eines Tages überhaupt kein Geld mehr verdient. Wer soll denn auch die ganze Sonnenenergie verbrauchen, die täglich auf die Erde einprasselt? An diesem Tag möchte ich aber nur kurz um meine gestrandeten Investments trauern und dafür seeehr lange warm duschen.

Aber zurück zum Thema. Wenn man einen Grund sucht, warum das Depot 2022 besser und 2023 schlechter als der breite Markt abgeschnitten hat, dann findet sich der vor allem bei den Energie-Werten. Die haben das Depot 2022 gestützt und machten zum Jahresende rund ein Viertel vom Gesamtwert aus:

Am Jahresende 2023 lag der Anteil gerade noch bei etwa zehn Prozent. Das liegt nicht nur an der Kursentwicklung, sondern auch daran, dass ich in fast allen anderen Bereichen weiter eingekauft habe, im Energie-Bereich aber nicht. Verkäufe gab es aber auch nicht. Dass man Solaredge in der Darstellung nicht mehr erkennt, liegt einfach daran, dass die Aktien so stark an Wert verloren haben. Abgesehen davon habe ich in der Aufteilung den Bereich „Freizeit“ gestrichen und damit einhergehend auch ein paar Unternehmen neu eingeordnet.

Ausblick

Letztes Jahr hatte ich hier geschrieben, dass ich um diese Zeit herum auf eine kurzzeitige Deflation wetten würde. In China ist es tatsächlich soweit gekommen. In den USA und Europa aber nicht – und wird es auch in den kommenden Monaten wohl nicht mehr. Im Nachhinein denke ich, dass ich vor allem die Stabilität der Arbeitsmärkte unterschätzt habe. Generell lief das Jahr wirtschaftlich (vor allem außerhalb Deutschlands und Chinas) gar nicht so schlecht. In Anbetracht des schnellsten Zinsanstiegs seit ich entsprechende Daten kenne hätte ich gravierendere Folgen erwartet.

Um auf eine Prognose für das laufende Jahr zu kommen, würde ich diesen Gedanken weiterspinnen. Womöglich bleibt die Inflation noch etwas länger höher. Ein Grund dafür könnte in den weiterhin robusten Arbeitsmärkten liegen, die tendenziell steigende Löhne begünstigen. Ein anderer Grund könnte sich im schwachen internationalen Handel finden. Dies- und jenseits des Atlantiks besteht heute ein verstärktes Bedürfnis, viele Güter künftig „zu Hause“ zu produzieren, wodurch diese eher teurer werden. Außerdem wird der Handel per Schiff in manchen Regionen auch durch militärische Gewalt bedroht.

Üblicherweise liege ich mit meinen Prognosen wie gesagt daneben. Ich denke aber, es lohnt sich, hin und wieder das ein oder andere Szenario durchzuspielen. Dabei kann man immer auch gleich überprüfen, inwiefern man darauf vorbereitet wäre.

Ich hoffe auf ein möglichst krisenarmes, auf ein im besten Sinne des Wortes langweiliges Jahr 2024. Hektik und Handlungsdruck bringen selten wirklich gute Ergebnisse hervor, weder im Leben noch bei der Geldanlage.

Schreibe einen Kommentar