Dem diesjährigen Beitragsbild zufolge gehe ich einem eher sonnigen neuen Jahr entgegen, wenngleich auch einige Wolken am Horizont sind. 2024 war die Wetterlage wechselhaft, an den Börsen wie in der Weltpolitik. Außerdem war es natürlich ein heißes Jahr, was Temperaturen und Gemüter betrifft. Doch damit folgte es eigentlich nur den allgemeinen Trends. Die sind zwar hinlänglich bekannt, aber wahrscheinlich auch gerade deswegen immer wieder Grund zum Fürchten.
Dabei ist Furcht ein denkbar schlechter Ratgeber. Vorsicht dagegen sollte man wohl haben. Jedenfalls habe ich das Jahr 2024 im Zuge des allgemeinen Risiko-Managements für mehrere Umschichtungen in meinem Depot genutzt. Darauf gehe ich in der Übersicht über die größten Käufe und Verkäufe kurz ein.
Die wichtigsten Käufe
Iberdrola: Im Energie-Bereich musste ich meine Anteile an Encavis wegen der Übernahme durch eine neue Position ersetzen. Bei der Gelegenheit hatte ich mich auch gleich noch von Nextera Energy getrennt. Iberdrola scheint mir sowohl von der Bewertung her als auch von der globalen Diversifizierung her attraktiver als Nextera. Bei passender Gelegenheit plane ich, die Gewichtung im Depot weiter zu erhöhen.
Constellation Software: Das Unternehmen kauft und entwickelt kleine, spezialisierte Software-Anbieter. Dabei war das erst 1995 gegründete Unternehmen, das heute mit über 60 Milliarden Euro bewertet wird, in den letzten 30 Jahren sehr erfolgreich. Für mich war der Kauf vor allem interessant, weil er mir eine Kategorie Unternehmen ins Depot brachte, in die ich unter normalen Umständen nicht investieren würde. Die Aktie ist gewissermaßen eine Alternative zu einem aktiven Fonds in dem Bereich. Der Kauf taucht aber auch deswegen in den Top-3 auf, weil die Einzel-Aktie mit rund 2.600 Euro zum Kauf-Zeitpunkt schon recht teuer war. Normalerweise kaufe ich in kleineren Tranchen.
Thermo Fisher: Auch im Gesundheits-Bereich habe ich mich für eine grundlegende Neu-Ausrichtung entschieden. Statt schwer durchschaubarer Pharma-Unternehmen möchte ich lieber Unternehmen im Depot haben, die vom Erfolg der Branche quasi automatisch profitieren. Daher habe ich mich (unter anderem) für den größten Labor-Ausrüster entschieden.
Die wichtigsten Verkäufe
BYD: Das Unternehmen schreibt seit vielen Jahren eine sagenhafte Erfolgsgeschichte. Als Newcomer in der Auto-Branche rast man bei den Auslieferzahlen auf das Niveau von VW und Toyota zu. Mit der immensen Wertschöpfungstiefe, die bis zur Gewinnung von Rohstoffen reicht, hat man sogar das Geschäftsmodell des Autobauers ein Stück weit neu erfunden. Hinzu kommt, dass das Unternehmen auch in der Herstellung von Elektronik-Komponenten weiterhin sehr erfolgreich ist.
Grund für meinen Ausstieg waren die politischen Risiken, die ich in China sehe. Anlass war, dass ich Anfang des Jahres mit einem globalen Abschwung des PKW-Markts gerechnet habe. Hinzu kam die schwierige wirtschaftliche Lage in China. Im Nachhinein scheine ich mit allen Vorhersagen richtig gelegen zu sein. Trotzdem übertrifft BYD noch immer alle Erwartungen – ein enorm starkes Unternehmen, das ich künftig von der Seitenlinie weiter beobachten werde.
Encavis: Encavis hatte ich mir eigentlich als langfristiges Investment vorgestellt. Mit dem Übernahme-Angebot von KKR und Fiessmann hatte sich der Investment Case aber erledigt. Die Branche ist gerade ungewöhnlich zyklisch, weshalb ich denke, dass dem Konsortium ein sehr guter Einstiegszeitpunkt gelungen ist. In ein paar Jahren traue ich dem Unternehmen eine deutlich höhere Bewertung zu. Enttäuschend finde ich im Nachhinein, dass die Börse offenbar nicht bereit war, den offensiven Wachstumsplan des Unternehmens zu unterstützen. Immerhin gibt es aber auch noch langfristig orientierte Akteure auf dem Finanzmarkt. Ich schreibe mir KKR auf die Wachlist.
Sixt: Ähnlich wie Encavis finde ich Sixt an der Börse eigentlich zu günstig bewertet, vor allem die Vorzugsaktie. Für den Gewinn, der nächstes Jahr um die sieben Euro je Aktie liegen soll, zahlt man heute etwa 58 Euro, also wenig mehr als das achtfache. Und das bei einer Dividende, die nächstes Jahr zwar sinken dürfte, in ein paar Jahren aber wieder auf über vier Euro steigen müsste. Dabei läge man schnell bei um die sieben Prozent Dividendenrendite. Das erscheint mir deutlich zu günstig für ein Unternehmen das beim Umsatz kontinuierlich und beim Gewinn zyklisch wächst.
Das Problem: Zuletzt schwankten Margen recht deutlich, was eine niedrigre Bewertung zumindest teilweise rechtfertigen kann. Auch sehe ich keinen klaren Wettbewerbsvorteil. Sixt scheint mir vieles besser zu machen als die Konkurrenz. Aber reicht das in ein paar Jahren noch, wenn etwa selbstfahrende Autos die Branche aufmischen könnten? Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch, dass ich den Umgang mit Mitarbeitern für problematisch halte. Als Investment halte ich Sixt nach wie vor für interessant, aber eben auch für verzichtbar.
Ein Unternehmen, das Sixt und BYD in meinem Depot ersetzen könnte, wird derzeit noch gesucht. Womöglich löst sich das Problem aber irgendwann auch von alleine, sollte etwa Waymo eines Tages von Alphabet abgespalten werden.
So lief das Depot
Erneut haben meine Aktien dieses Jahr zugleich sehr gut und sehr schlecht abgeschnitten. Sehr gut ist die Rendite, weil sie mit 16,2 Prozent weit über dem langfristig Erwartbaren liegt. Sehr schlecht ist sie, weil sie erneut geringer ausfällt als bei meinen drei Referenz-Werten. Immerhin ist der Abstand kleiner als letztes Jahr. So lag die Benchmark-Rendite des MSCI-World-ETF mit 16,9 Prozent nur minimal über der meinen. Auf der langen Zeitachse ist der S&P-500-ETF wieder an mir vorbeigezogen:

Positiv könnte man hervorheben, dass ich mit meiner Unternehmens-Auswahl den breiten Markt ganz gut abbilde. Durch die Aufteilung auf verschiedene Branchen und Geschäftsmodelle kann ich außerdem einige Schwankungen ausgleichen, weshalb sich das Depot etwa 2022 vergleichsweise gut gehalten hat. Negativ ist eigentlich nur, dass es mir bisher nicht gelingt, den Markt nachhaltig zu schlagen. Aber das gelingt auch vielen Profis nicht und es ist ohnehin nicht das Haupt-Ziel meiner Geldanlage.
Nach Themen gegliedert gab es dieses Jahr wieder ein paar größere Änderungen im Depot. Allem voran habe ich die Themen Konsum und Handel zusammengefasst, was mir künftig die Übersicht erleichtern soll. Außerdem habe ich (wie oben schon erwähnt) den Gesundheits-Bereich weitgehend neu aufgestellt.

Wenn ich nach Gründen für die Underperformance der letzen beiden Jahren suche, werde ich besonders beim Energie-Bereich fündig und hier ganz wesentlich bei PNE. Ich hatte die Aktien 2019 als kleine Position gekauft, die sich bis 2022 beinahe verzehnfacht hatte. Das erklärt noch heute die hohe Gewichtung. Nach gescheiterten Übernahmegesprächen ging es seither mit dem Kurs immer weiter bergab. Erst sind die Zinsen gestiegen, jetzt kommt perspektivisch auch noch politischer Gegenwind dazu. Ich hatte aber nie Zweifel am Geschäftsmodell oder am Investment. Daher wird die Position auf Sicht auch weiterhin weder verkauft, noch reduziert.
Wie schon an anderer Stelle berichtet, sinkt der Depotanteil von PNE alleine deshalb schon planmäßig, weil ich nicht nachkaufe. Zum 1. Januar 2025 sind schon vier Unternehmen bei der Gewichtung an PNE vorbeigezogen:

Ausblick 2025
Mit der Auswahl an Unternehmen bin ich weitgehend fertig. Nur in ein paar Bereichen suche ich noch nach geeigneten Investments – oder Einstiegszeitpunkten. Im neuen Jahr werde ich daher hoffentlich hauptsächlich mit Nachkäufen beschäftigt sein und kann auf diese Weise noch hie und da die Gewichtung anpassen. Auch einzelne Verkäufe behalte ich mir vor, wenn ich das Gefühl habe, dass ich bestimmten Risiken zu stark ausgesetzt bin. Mit den Verkäufen von BYD und Starbucks in 2024 fühle ich mich aktuell aber schon ganz gut vorbereitet auf alles, was im neuen Jahr da kommen mag.
Einen wirtschaftlichen Ausblick aufs kommende Jahr möchte ich mir an dieser Stelle sparen. Letztes Jahr lag ich mit meiner Prognose einer länger hoch bleibenden Inflation aus heutiger Sicht mal gar nicht so daneben. Die Erfolgsbilanz nehme ich gern ins neue Jahr mit.
Zu den makroökonomischen Kennzahlen, die ich 2025 besonders im Auge behalten möchte, gehören die zur Arbeitsproduktivität. Die Digitalisierung hat in dieser Hinsicht ja enttäuscht. Aktuell sind die Hoffnungen auf eine steigende Produktivität wieder groß, allem voran wegen dem verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz. 2025 werden wir viel darüber erfahren, inwiefern diese Hoffnungen berechtigt sind und auf welche Nebeneffekte wir uns einstellen müssen.

