Wie üblich entsteht mein Jahresrückblick mit etwas Verspätung. An den Börsen war 2025 ein Jahr starker und zuweilen widersprüchlicher Trends. Die wichtigsten Indizes landeten alle im grünen Bereich. Allerdings kann man das für die meisten Aktien nicht behaupten. Viele liefen bestenfalls seitwärts oder fielen bis zum Jahresende auf immer neue Tiefststände. Die machen sich besonders bemerkbar, wenn man die Kurse in Euro betrachtet. Rund 13 Prozent haben US-Aktien allein wegen des schwächeren US-Dollar dieses Jahr an Wert verloren.
Die Gesamtperformance wurde am Ende vor allem durch ein paar wenige Aktien gerettet, bei denen es meist direkt oder indirekt um die Themen Rüstung oder KI ging. Wer dort nicht an Bord war, dürfte dieses Jahr an der Börse also wenig Freude gehabt haben. 2025 hat damit auch gezeigt, wie sinnvoll Index-Investents sind. Bei den großen ETFs hat man die Gewinner im Zweifel auch dann im Depot, wenn es nur wenige davon gibt.
In meinem Fall hat sich Diversifikation bezahlt gemacht. Ein paar Aktien konnten riesige Kursgewinne verzeichnen und damit das ganze Depot nach oben ziehen. Entsprechend hat sich auch die Gewichtung im Laufe des Jahres immer mehr in Richtung der vermeintlichen KI-Gewinner verschoben. Andere Positionen sind im Vergleich dazu so klein geworden, dass man die Namen in der Übersicht kaum noch lesen kann:

Screenshot: Portfolio Performance (siehe Tools)
Mit Abstand am einträglichsten war dabei die Hochtief-Aktie (169 % Rendite), gefolgt von Alphabet (47 %) und Iberdrola (45 %). Erstaunlich gut haben sich außerdem 2G Energy, Shopify und die Allianz entwickelt. Demgegenüber stehen zahlreiche Verlierer, die mir jetzt aber zunehmend für Nachkäufe interessant scheinen. Aber auch bei den Gewinnern möchte im kommenden Jahr etwas genauer hinschauen. Schließlich sind die Kursgewinne in der Regel nicht durch ein Wachstum der Unternehmensgewinne gedeckt.
Insgesamt lief das Jahr für mich in mehrfacher Hinsicht gut. Mit 9,7 gegenüber 7,9 Prozent Benchmark-Rendite hat mein Depot nach zwei Jahren Underperformance erstmals wieder besser als der MSCI World abgeschnitten. Und es hat das dritte Jahr in Folge mehr abgeworfen als ich im langfristigen Durchschnitt erwarten würde.
Apropos Rendite: Ich habe ein paar Anpassungen an den Benchmarks vorgenommen. Die waren in der Vergangenheit teilweise durch Dollar-Kurse unrealistisch verzerrt. Ich selbst kann ja nur in Euro anlegen. Entsprechend messe ich den Benchmark jetzt auch einheitlich in Euro. Bei der Gelegenheit konnte ich auch noch fehlerhafte Kursdaten bei einer Aktie korrigieren, die meine Rendite letztes Jahr zu meinen Ungunsten leicht verschlechtert hatten. Benchmarks sind ab sofort einfach die größten Standard-ETFs in Euro. Korrigiert sieht die Performance jetzt so aus:

Screenshot: Portfolio Performance (siehe Tools)
Rückblick
Meine größten Zukäufe
Wenn ich am Ende des Jahres diese Übersicht mache, bin ich jedes Mal aufs Neue überrascht. Dieses Jahr ist es meine älteste Position, bei der ich am meisten zugekauft habe.
Münchner Rück: Trotz der Kursgewinne der letzten Jahre erscheint mir die Aktie auch heute nicht zu teuer. Ich halte sie bewusst als Kernposition meines Portfolios. Solange der Kurs nicht zu sehr durch die Decke geht, kaufe ich bei Gelegenheiten nach. Ich halte die Firma für eines der solidesten deutschen Unternehmen. Im Idealfall ist die Aktie immer unter meinen TOP-5. Dabei war das Geschäftsjahr 2025 durchaus durchwachsen. Ausbleibende Großkatastrophen sorgen für einen Rekordgewinn. Dafür kann man die Preise jetzt nicht mehr so stark anheben. Abgesehen davon dürfte die Versicherung von länger höheren Zinsen profitieren.
2G Energy: Hier handelt es sich um ein kleines deutsches Industrieunternehmen, das mittlerweile auf drei aussichtsreichen Märkten unterwegs ist (Kraft-Wärme-Kopplung, Strom für Rechenzentren, Großwärmepumpen). Gekauft habe ich aber nicht wegen des Potenzials, sondern weil mir 2G gemessen am Wachstum günstig erschien. Nach dem Ausstieg bei Nextera und der Übernahme von Encavis wollte ich mit 2G Energy den Energie-Bereich wieder vervollständigen.
ASML: Zwischen Ende 2024 und Mitte 2025 gab es die Aktie für um die 600 Euro. Insgesamt habe ich in der Zeit dreimal nachgekauft. Es erschließt sich mir nicht, warum die Aktie bisher nicht vom KI-Investitionsrausch profitiert.
Was an der Auswahl berereits auffallen könnte: Ich habe 2025 gezielt den Nicht-US-Anteil am Depot erhöht, wo es sich gerade angeboten hat. Der US-Anteil liegt jetzt nur noch bei 44 Prozent, was aber auch dem schwachen Dollar zuzuschreiben ist:

Meine Verkäufe
Ich habe 2025 keine Aktie verkauft. Das ist eigentlich der Idealzustand. Es heißt aber nicht, dass ich mit dem Portfolio schon restlos zufrieden bin.
Diese Aktien stehen auf dem Prüfstand
Hochtief: Bei Hochtief sind nicht nur die Gewinne gestiegen, sondern vor allem die Bewertung. Das Unternehmen ist gut positioniert, um von zahlreichen Großentwicklungen zu profitieren: Rechenzentren, Kraftwerke, Bergbau, Infrastruktur. Wo gerade viel Geld investiert wird, verdient Hochtief mit. Ich frage mich aber, inwiefern die Neubewertung das zyklische Geschäftsmodell berücksichtigt.
Shopify: Shopify wächst derzeit zwischen 20 und 30 Prozent jährlich beim Gewinn je Aktie. Geschäftsmodell und Bilanz gefallen mir. Ich frage mich aber, inwiefern das Hunderfache des Gewinns ein angemessener Preis für die Aktie ist, zumal sich das Wachstum künftig eher abschwächen dürfte.
Pepsico: Hier bin ich mit dem Wachstum unzufrieden, wie auch mit dem hohen US-Anteil am Umsatz. Schließlich bin ich bezüglich der Kaufkraft US-amerikanischer Konsumenten eher pessimistisch (siehe Beitrag zu Starbucks). Für Pepsico spricht, dass auch die Bewertung deutlich gesunken ist. Zuletzt konnte das Unternehmen die Erwartungen übertreffen. Wenn es nächstes Jahr wieder aufwärts geht, könnte es auch beim Kurs einen Trendwechsel geben. In dem Fall hätte ich einen Anlass, den Investment Case nochmal zu hinterfragen.
LVMH: Hier bin ich mit dem Management nicht zufrieden. Außerdem bereitet mir die starke Abhängigkeit von China Sorgen. Aber mir fehlt auch hier der Anlass für einen möglich Verkauf. Genau wie Pepsico scheint mir die Aktie 2026 Kandidat für einen Turnaround zu sein.
Diese Aktien halte ich jetzt für interessant
Adobe: Ich habe kürzlich erst einen ausführlicheren Beitrag zu Adobe geschrieben. Dabei steht die Aktie eigentlich repräsentativ für fast alle klassischen Software-Aktien. Im besten Fall entwickeln sich die Kurse seitwärts. Überall sind die Bewertungen deutlich gesunken. Autodesk, Intuit, Paychex, Constellation Software – um nur ein paar aus meinem Depot zu nennen. Scheinbar geht man davon aus, dass künftig weniger Geld für Software ausgegeben wird. Bisher kann ich so eine Entwicklung aber nicht erkennen.
Uber: Auch hier scheint mir einiges an KI-Skepsis im Kurs enthalten zu sein. Dabei ist die „Problemlage“ bei Uber etwas anders. Es geht um die Frage, ob das autonome Fahren für die Firma gefährlich wird. Ich sehe es eher so, dass das der Investment Case schlechthin für Uber ist. Das Plattform-Modell eine entscheidende Stärke, die Uber von klassischen Software-Unternehmen unterscheidet.
2G Energy: Die Aktie habe ich schon bei meinen wichtigsten Zukäufen erwähnt. Sie eignet sich sicherlich auch für einen längeren Blogpost bei Gelegenheit.
So wird 2026
Letztes Jahr hatte ich mir den Ausblick an dieser Stelle gespart. Dieses Jahr möchte ich mal wieder eine Prognose wagen. Ich denke, dass Software-Aktien auch 2026 weiter abverkauft werden. Genau wie KI-Aktien bei der Bewertung weiterhin Luft nach oben haben, dürfte im Software-Bereich noch Raum zum Fallen sein. Die Kurse kommen von hohen Niveaus. Viele Unternehmen waren lange grenzwertig bepreist. Entsprechend lang könnte auch der Weg nach unten sein. Schließlich kann ich auch noch keine Anzeichen einer Trendwende ausmachen.
Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich, dass sich hier historische Chancen ergeben können, falls sich die Sorgen tatsächlich als übertrieben herausstellen. Insofern wünsche ich allen Lesenden ein sorgenarmes Jahr voller genutzter Chancen.

