Ich habe mich in den letzten Monaten immer öfter dabei ertappt, Frosta-Gemüsemischungen in den Einkaufswagen zu legen. Für Tage, an denen ich zu faul zum kochen bin, erscheinen sie mir als günstigere und gesündere Alternative zu Fertigpizzen. Im Angebotspreis sehe ich die Packungen immer wieder für um die zwei Euro – mit ein paar Nudeln oder Reis wird ein durchaus leckeres Mittagessen für zwei Personen draus. Und ja, die Energie, mit der ich diesen Post verfasse, stammt aus der abgebildeten Gemüsepfanne „a la Provence“.
Auf den ersten Blick bietet auch die Frosta-Aktie einige gute Zutaten:
- Basis-Konsumgüter mit einem starken Umsatz- (4,80 % p. a. auf 10 Jahre) und Gewinnwachstum (7,30 % p. a. auf 10 Jahre).
- Margenwachstum.
- Familienunternehmen mit hoher Beteiligung der Eigentümer, die langfristige Ziele verfolgen können.
- Dafür wirkt das Unternehmen ähnlich preiswert wie die Gerichte: Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12.
- Ein Sonderangebot: In den vergangenen Jahren lag der Wert eher bei 18, phasenweise noch deutlich darüber.
- Dabei hatte sich das Wachstum in den letzten etwa fünf Jahren erheblich beschleunigt.
- Obendrauf noch eine Dividendenrendite von etwa 3,40 Prozent – keine Kleinigkeit.
Ist das Preis-Leistungs-Verhältnis der Aktie also ähnlich gut wie das der Gemüsepfanne?
Was mir an der Frosta-Aktie gefällt
Starke Marke: Die Erfolgsgeschichte der Aktie scheint mir im Grunde dieselbe zu sein wie die des Frosta-„Reinheitsgebots“. Man verwendet in den Gerichten keine Zusatzstoffe und versucht sich generell als Musterbeispiel in Sachen Transparenz zu positionieren. Und das funktioniert erwiesenermaßen seit vielen Jahren sehr gut.
Zum Hintergrund: Die Marke ist gleichzeitig der Geschäftsreich, der das komplette Wachstum trägt. Es gibt daneben nämlich auch den Bereich Copack, in dem man vor allem als Auftragsfertiger für Supermärkte arbeitet und Gerichte nach deren Vorgaben und für deren Marken fertigt. Außerdem bietet man etwa Service für Großküchen. Aber das ist alles recht unbedeutend aus heutiger Sicht. Der Bereich Copack macht heute weniger Umsatz als 2013. Der Umsatz des Geschäftsbereichs der Eigenmarke ist dagegen von 2013 auf 2023 von 140 auf 435 Millionen Euro gestiegen – zuletzt waren das 68 Prozent vom Gesamtumsatz. Auch laut den Halbjahreszahlen für 2024 geht die Entwicklung rasch in die gleiche Richtung weiter.
Hohe Stabilität: Letztlich dürften sich auch die verbesserten Margen aus der veränderten Umsatzverteilung ableiten. Unrentable Zulieferverträge laufen aus und werden durch eine stetig wachsende Produktion für die eigene Marke ersetzt. Mittlerweile wirkt die Netto-Marge mit um die fünf Prozent einigermaßen komfortabel – besonders in Anbetracht einer derzeit besonders preissensiblen Kundschaft. Auch von der Zinsseite her dürfte es keine Probleme geben. Frosta hatte zuletzt mehr Bankguthaben (67 Millionen Euro) als Kredite (21 Millionen Euro) in der Bilanz. Dass Frosta vor allem in Deutschland stark ist, sehe ich nicht als besonderes Risiko an, da der Absatz von der Konjunkturseite her nicht unter Druck kommen dürfte.
Was mir an der Frosta-Aktie nicht gefällt
Fehlender Burggraben: Die Kehrseite der Erfolgsgeschichte ist natürlich, dass Frosta von seiner Marke immer abhängiger wird. Eigentlich hatten wir in den letzten Jahren gesehen, dass die Eigenmarken der Lebensmittelhändler immer mehr Markenprodukte verdrängen, einfach weil die Kundschaft stärker aufs Geld schaut und nicht länger bereit ist, die hohen Marketingbudgets der Marken mitzufinanzieren. Bei Frosta scheint das Gegenteil der Fall zu sein und das ist umso beachtlicher als der Trend schon ziemlich lange anhält. Trotzdem frage ich mich, wie lange das so weitergehen kann. Können Supermärkte das Reinheitsgebot von Frosta nicht auch auf ihre eigenen Verpackungen drucken – vielleicht noch ein Bio-Siegel dazu – und Frosta trotzdem beim Preis unterbieten? Bisher scheinbar nicht.
Verschwundenes Umsatzwachstum: Im Jahresbericht 2023 erwartete Frosta für 2024 ein Umsatzwachstum von um die vier Prozent bei einer Marge von fünf Prozent. Nach einem halben Jahr ist davon aber keine Rede mehr, der Umsatz soll eher stagnieren. Was ist da los? Wenn ich die Zahlen durchgehe, kann ich keine überraschend eingetretene Entwicklung finden, die das fehlende Umsatzwachstum erklären könnte. Der Geschäftsbereich um die Marke Frosta ist erneut zweistellig gewachsen während Copack zweistellig schrumpft.
Von Unternehmensseite finde ich keine Erklärung, warum man die eigenen Ziele wohl verfehlt. Für mich überraschend ist der deutliche Rückgang bei Copack. Die Rede ist hier vom Wegfall unrentabler Aufträge. Aber hat man sich selbst dazu entschieden, diese auslaufen zu lassen? Dann käme die Entwicklung aber nicht überraschend. Wurde dem Unternehmen also vonseiten eines Händlers gekündigt? Und müsste sich nicht eigentlich die Marge verbessern, wenn unrentable Aufträge wegfallen? Das ist aber nicht passiert, tatsächlich lang man mit 4,9 Prozent bisher im unteren Bereich der eigenen Prognose. Gibt es also Preisdruck bei der eigenen Marke?
Kurz: Mir fehlen hier nicht etwa 25 Millionen Euro voraussichtlicher Jahresumsatz, sondern eine Erklärung, wo diese geblieben sind. Ohne eine solche tue ich mir schwer, die Entwicklung vernünftig einzuschätzen, und rechne im Zweifel lieber mit dem Schlimmsten.
Ergebnis
Die Aktie von Frosta könnte aktuell auch deshalb so günstig ist, weil sie bei Kleinanlegern unter dem Radar ist und für größere Akteure ist das Unternehmen zu klein. Oberflächlich betrachtet scheint mir das Geschäftsmodell und ein möglicher Investment-Case völlig intakt – und sie beweisen sich gerade in einer aktuell durchaus kritischen Phase. Frosta ist klarer Marktführer in seiner Branche, wenn auch leider (bis auf Weiteres) nur in Deutschland. Das Wachstum ist für das Geschäftsmodell hervorragend, auch wenn wir uns vorerst auf eine Pause nach sehr erfolgreichen Jahren einstellen müssen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ebenfalls Spitze, zumal zum Umsatz- noch das Margenwachstum kommt und es obendrauf noch eine schöne Dividende gibt.
An den Investor Relations darf man bei Frosta durchaus gerne Sparen, auch den Margen zuliebe. Das ist nicht zuletzt aufgrund der Eigentümer-Struktur und der Unternehmensgröße verständlich. Die aktuelle Erklärungslücke in der Bilanz wirft mir aber noch zu viele Fragen auf. Bis diese beantwortet sind, vielleicht ja schon mit der Jahresbilanz, kommt mir die Frosta-Aktie nicht ins Depot. Die Gemüsepfanne würde ich wieder kaufen.

