Aus Sicht der Börsen war 2021 ein weiteres sehr gutes Jahr. Auch mein persönliches Portfolio hat erheblich profitiert. Meine gewichtete Durchschnittsrendite (die aufs Jahr gerechnete, nach Volumen gewichtete tägliche Rendite abzüglich Gebühren) lag bei 26,7 Prozent.
Im Laufe des Jahres habe ich einige Umschichtungen in meinem Depot vorgenommen. Grund dafür waren wirtschaftliche, aber auch politische Veränderungen, die mich zu einer Neubewertung verschiedener Aktien bewogen haben. Auf der Verkaufsseite stand unter anderem der Großteil meiner chinesischen Aktien. Hier habe ich mich von Alibaba, Ping An und auch einem Teil meiner BYD-Position getrennt.
Die Aktien von Alibaba und Ping An sehen zwar sehr günstig aus, leiden aber unter den (möglichen) Regulierungsmaßnahmen der chinesischen Regierung. Bis die Rahmenbedingungen wieder vorhersehbarer erscheinen, erwarte ich keine nachhaltige Erholung der Kurse. In der Zwischenzeit möchte ich mein Geld lieber in anderen Bereichen anlegen.
Warum ich BYD verkauft habe
BYD sieht dagegen nach wie vor hervorragend aus. Die Fahrzeug-Auslieferungen haben sich in den letzten Monaten in Richtung 100.000 Stück bewegt. Damit liegt man bereits in der Größenordnung von Tesla. Im kommenden Jahr sollen wieder zahlreiche neue Modelle erscheinen und die internationale Expansion dürfte ebenfalls noch reichlich Potenzial bieten. Auch das Geschäft mit den Handy-Komponenten und (perspektivisch auch sehr spannend) den stationären Energiespeichern hat sich sehr gut entwickelt. Bei der Bewertung (gemessen am Umsatz) ist ebenfalls noch deutlich Luft nach oben, zumindest wenn man Tesla als Referenz nimmt. Es würde mich daher nicht überraschen, wenn BYD auch 2022 zu den Top-Performern in meinem Depot gehört.
BYD zählt allerdings (nicht zuletzt aufgrund der hohen Bewertung) nach wie vor zu meinen Wagnis-Investitionen. Es ist auch keinesfalls sicher, dass die internationale Expansion reibungslos verläuft. Außerdem drängen auch die alteingesessenen Autobauer mit großen Budgets immer stärker in den E-Mobility-Bereich vor. Ein gewisses Risiko gibt es auch von der Regulierungs-Front. So musste der Börsengang der Halbleiter-Sparte bereits mehrmals verschoben werden. Die Subventionen für Elektroautos laufen in China dieses Jahr aus.
Die neue Nummer eins: Microsoft
Durch die Vervielfachung des Aktienkurses (Kauf für 6,24 €, Verkauf für 36,27 €) war BYD schon lange größte Position in meinem Portfolio. Die damit verbundenen Risiken wurden durch den Verkauf gesenkt.
So fühle ich mich mit der neuen Nummer eins, Microsoft, deutlich wohler. Anders als die Autos von BYD sind die Produkte von Microsoft in vielen Bereichen kaum zu ersetzen. Man denke nur an Windows, Office oder auch LinkedIn. Die Umsätze sind regional diversifizierter, die Märkte ebenfalls (vom Gaming bis zu den Cloud-Diensten). Die Margen sind weitaus höher, das Geschäft ist besser skalierbar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis niedriger.
Die wichtigsten Käufe
1. Booking.com
Für die Auswahl meiner Zukäufe waren meine Erwartungen für die kommenden Jahre und Jahrzehnte entscheidend: Hinter dem Investment in Booking steht etwa meine Vermutung, dass der weltweite Tourismus seinen schon seit Jahrzehnten (wenn nicht Jahrhunderte) andauernden Wachstumstrend fortsetzen wird. Für Booking spricht unter anderem:
- der große Marktanteil
- das digitale Geschäftsmodell
- die Skalen- und Netzwerk-Vorteile, die sich aus den ersten beiden Punkten ergeben
- die Profitabilität (Booking konnte sogar 2020 noch einen Gewinn erzielen)
- eine günstig erscheinende Bewertung
Näheres zum Investment-Case für Booking und ein paar der anderen Unternehmen werde ich womöglich demnächst nachliefern.
2. Deere
Mit der Deere-Aktie setze ich auf die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung in der Landwirtschaft. Die zuletzt teils extrem gestiegenen Preise für Agrarrohstoffe könnten Raum für die großen (und notwendigen) Investitionen in den kommenden Jahren schaffen. Es wird ja nicht nur immer gegessen. Es werden vor allem auch immer mehr und höherwertige Lebensmittel gegessen. Die für die Landwirtschaft verfügbaren Flächen sind aber begrenzt. In vielen Regionen nimmt die Fläche – etwa aufgrund von Bodenerosion, Bebauung oder den Folgen des Klimawandels – sogar ab. Nicht zuletzt muss der ökologische Fußabdruck der Landwirtschaft dringend verkleinert werden.
Es wird sicher mehr als nur neue Technologien brauchen, um die daraus resultierenden Probleme zu lösen. Ohne technologischen Fortschritt wird es aber kaum gelingen. Als größter Hersteller von Landmaschinen kann und muss Deere hier eine entscheidende Rolle spielen. Nach meinem Dafürhalten ist das Unternehmen hier auch sehr gut aufgestellt. Die neueren Technologien von Deere können unter anderem dazu beitragen, Umweltauswirkungen der Landwirtschaft zu verringern, etwa beim Einsatz von Spritzmitteln, dem Treibstoffverbrauch oder der Bodenverdichtung.
3. Adobe
Adobe wiederum halte ich schon beinahe für eine Pflicht-Investition im Rahmen der Digitalisierung. Marktposition, Wachstum und Margen sind hervorragend und vor allem sehr beständig. Wo die Produktwelt von Microsoft aufhört, fängt in ganz vielen Fällen die von Adobe an.
4. Shopify
Shopify soll im Wesentlichen die Alibaba-Aktie im Bereich E-Commerce ersetzen. Das Geschäftsmodell bietet eine Möglichkeit, in den E-Commerce zu investieren, ohne sich für einen bestimmten Shop oder Marktplatz entscheiden zu müssen.
5. Intuit
Die Aktie von Intuit soll ein neues Standbein im Finanz-Bereich werden. Das Steuersystem ist bisher eigentlich noch nie einfacher geworden und es würde mich sehr wundern, sollte sich das noch einmal ändern. Für die Buchhaltung gilt das Gleiche. Wenn es gelingt, die Probleme mit der Komplexität in diesen Bereichen über Software wie die von Intuit zu lösen, könnten die Rufe nach einem einfacheren Steuersystem vielleicht sogar leiser werden.
Das erwarte ich für 2022
So sich die kommenden Corona-Varianten tatsächlich als zunehmend milder herausstellen, dürfte sich auch in der Wirtschaft einiges wieder normalisieren. Insbesondere im Software-Bereich und im E-Commerce dürften die Wachstumsraten und Bewertungsniveaus sich an die langjährigen Durchschnittswerte annähern – gerade wenn auch noch die Zinsen etwas steigen sollten. Eine länger andauernde Korrektur in diesem Bereich ist möglich, für einen Crash dürfte es aber nicht reichen. Ich kann mir schließlich nicht vorstellen, dass die Digitalisierung wieder zurückgedreht wird. Im Gegenteil: viele Investitionen in diesem Bereich (auch von staatlicher Seite) dürften ihre Wirkung erst noch entfalten.
Gleichzeitig kann die analoge Wirtschaft wieder etwas Fahrt aufnehmen, gerade wenn sich die Lieferengpässe allmählich auflösen und weitere Gelder aus den Konjunkturprogrammen fließen. Eine noch wichtigere Rolle könnten die Ersparnisse vieler privater Haushalte aus den Lockdowns spielen, die entweder angelegt (und damit die Kurse an den Börsen stützen) oder ausgegeben werden (und dann direkt in die Wirtschaft fließen). Steigende Löhne könnten diese Entwicklung zusätzlich unterstützen.
Was folgt aus diesem Überlegungen? Einerseits überlege ich, wieder verstärkt in konjunkturabhängige Unternehmen zu investieren. Mit einem Nachkauf bei Siemens und dem Einstieg bei Deere habe ich hier bereits erste Schritte unternommen. Auch die Baubranche und die erneuerbaren Energien halte ich weiter für aussichtsreich.
Andererseits kann sich bei sinkenden Kursen noch manche Gelegenheit für Nachkäufe im Bereich der Digitalwirtschaft ergeben. Hier will ich insbesondere die Aktien von Adobe, Intuit und Fortinet im Auge behalten. Auch bei den ganz großen Tech-Unternehmen werde ich womöglich noch einmal nachlegen.

